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"Wat for Luftsnappers"

Bericht des Reisejournalisten Fred Hafner

Die Insel Poel in der Wismarer Bucht gilt vielen als Geheimtipp. Denn die Einwohner pflegen Tradition statt Schickimicki. Auch im Gutspark Wangern gehen die Betreiber in 4. Generation pfleglich mit ihrem Erbe um.

Gutspark Wangern aus der Vogelperspektive

Kirchdorf. Alte Gutshäuser, Alleen mit Kopfstein­pflaster, die Schlosswall­anlage, alte Leucht­türme und Schul­häuser, Museen und die Inselkirche: Auf der Insel Poel begegnen einem viele steinerne Zeugen der Vergangenheit. Die erste Erwähnung der Insel findet sich in einer Urkunde von 1163. Seitdem hat sie eine sehr lebendige Geschichte, die die Menschen und ihre Landschaft geprägt haben. Natürlich gibt es Natur pur mit langen Sandstränden. Aber außerdem Sehenswürdigkeiten, Kultur und jede Menge Feste.

Die Insel Poel ist laut "Marco Polo Trendguide" für 2024 ein Geheimtipp. Unter den vielen Vorschlägen von rund 200 Autoren des größten Reiseverlags schaffte es die Insel in den Top-Ranking der angesagtesten Ziele 2024.

Wer sich der Insel vom Festland nähert, erblickt schon von weitem die Insel­kirche. Dieses in der ersten Hälfte des 13. Jahr­hunderts erbaute Gottes­haus zeugt von der wechsel­vollen Geschichte. Im romanisch-gotischen Stil errichtet, bildet die Backstein­kirche mit ihrem 47 Meter hohen Turm die weithin sichtbare Landmarke Poels.

Leuchtturm von Timmendorf

Besucher, die von der Seeseite kommen, sehen zuerst den Leucht­turm von Timmendorf. Das Leucht­feuer wurde erstmals im 1871 in Betrieb genommen und 1931 um knapp 4 Meter auf seine jetzige Höhe von 21 Meter erweitert. Als Signal­geber an der Einfahrt zum Seehafen der Hansestadt Wismar ist der Leucht­turm bis heute von großer Bedeutung für den wieder zunehmenden Schiffs­verkehr. Ein zweiter, kleinerer „Leuchtturm“ steht westlich von Gollwitz, im Norden der Insel Poel.

Fischereikisten im Hafen von Timmendorf
Ruhe im Hafen von Kirchdorf

Rügen, Usedom, Sylt, die nordfriesischen Inseln kennt (fast) jeder. Aber die Insel Poel, nordöstlich vor Wismar gelegen – ist immer noch ein Insidertipp – auch für viele Wasser­sportler. Insbesondere die drei größeren Häfen von Timmendorf, Kirchdorf und Niendorf mit ihren umfang­reichen Service- und Versorgungs­einrichtungen bieten viele Liege­plätze für Gäste mit Segel- und Motor­boot. Ob Strand, Natur, Kultur und Kulinarik – alles findet sich in unmittel­barer Nähe der Häfen.

Hafen und Kirche der Insel Poel

Selbst ein Festungsanlage gibt es auf der Insel Poel: Herzog Johann Albrecht der II. gab 1614 dem General­baumeister und Ingenieur Gerhart Evert Pilooth den Auftrag, eine solche Anlage mit Schloss in Kirchdorf zu errichten. So konstruierte er ein imposantes Bauwerk, welches aus zwei Teilen besteht: eine Schloss­anlage in Form eines fünf­zackigen Sternes und ein Hornwerk, das in Form eines Stern­schweifes noch heute aus der Luft­perspektive zu erkennen ist.

Poel bietet mit ihren Naturschutz­gebieten sowie der Vogel­schutz­insel Langenwerder hervor­ragende Lebens­bedingungen für Wat- und Wasser­vögel. Aber auch Zugvögel nutzen die Insel gern und ausgiebig als Rastplatz. Außerhalb der Brutzeit (Juli bis Oktober) werden von einem Ornithologen organisierte Führungen über die Insel angeboten. Da die wöchent­lichen Führungen durch das Naturschutz­gebiet Störungen verursachen, ist die Zahl der Besucher pro Führung auf 15 Personen begrenzt (Anmeldungen über die Kurverwaltung).

Inselmuseum Poel

1975 entstanden in der ehemaligen Dorf­schule zwei ständige Ausstellungs­räume. Das war der Start des Inselmuseums, das inzwischen 250 Quadrat­meter umfasst. Im Außen­bereich befindet sich der Poeler Findlings­garten. Hier unternimmt der Besucher eine Zeitreise durch zwei Milliarden Jahre Erdgeschichte. Derzeit entsteht auf dem Gelände des Inselmuseums im Maßstab 1:5 ein Modell der Schloss­wall­anlage. Sie war im 30-jährigen Krieg) zerstört worden. Durch die Spenden­freudigkeit der Poeler Bevölkerung wuchs das Ausstellungs­material im Poeler Inselmuseum enorm. In 26 Vitrinen und frei stehend werden auf den 250 Quadrat­metern rund 350 Museums­gegenstände gezeigt. Dazu kommt die Sammlung des Inselmuseums an musealen Gegen­ständen: Bis auf fünf Leihgaben umfasst sie ausschließlich Spenden der Bevölkerung und besteht derzeit aus rund 6 000 Exemplaren. In der Fachbibliothek des Hauses gibt es zudem etwa 2 000 Bücher (z. T. antiquarisch), Zeitzeugen­berichte, Periodika und historisches Schriftgut aller Art.

Nur zehn Minuten von Poel entfernt liegt der kleine Sport­flugplatz von Müggenburg, von dem Rundflüge über die Insel Poel aber auch über die Hansestadt Wismar und die Wismarer Bucht starten. Sie war in den letzten Kriegstagen 1945 Schauplatz der Tragödie der Cap Arcona und anderer Flüchtlings­schiffe. Tausende Häftlinge kamen dabei ums Leben. Eine gut informierende Gedenk­stätte am Schwarzen Busch erinnert an sie.

Hansestadt Wismar

Heute fahren Fahrgast­schiffe von April bis Oktober viermal täglich von Kirchdorf nach Wismar und wieder zurück. Ein Stadtbummel in der alten Hansestadt (steht seit 2002 gemeinsam mit Stralsund auf der Unesco-Welterbe­liste für historische Altstädte) oder eine Hafen­rundfahrt sind zu empfehlen. Früher war die Schifffahrts­route zwischen Kirchdorf und Wismar lebenswichtig für die Insulaner. Heute dient sie vornehmlich für entspannte Ausflugs­fahrten.

Poel bietet jährlich im Mai einen Sandburgen-Wettbewerb und im Oktober einen Wettbewerb für Strohskulpturen. Zweijährlich werden Rapskönig und -königin gewählt, diesmal wieder im Mai 2025. Und es gibt einen Shanty-Chor-Wettbewerb, der bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Auf Poel kann man reiten, angeln, jede Menge Fitness-Sport treiben – oder einfach gemütlich radeln und wandern. Das Radwege- und Wandernetz ist sehr gut ausgebaut und beschildert – egal ob in und um Timmendorf, Gollwitz, Kaltenhof, Schwarzer Busch oder Kirchdorf. Verlaufen oder verfahren ist praktisch ausgeschlossen, schließlich ist die Insel Poel nur 36 Quadrat­kilometer groß. Nur 2.500 Einwohner leben hier. Da ist die Zahl der Übernachtungen mit 600.000 jährlich verhältnismäßig hoch.

Haupthaus Gutspark Wangern

Das liegt an der schieren Zahl von Ferienwohnungen, Pensionen und Privat­vermietern. Hotels gibt es nur drei auf der ganzen Insel. Eine besondere Unterkunft ist der Gutspark Wangern. Das Appartementhotel wird von Torsten Feiler und seinem Sohn Eddi in inzwischen vierter Generation betrieben. Richard und Agnes Steinhagen ließen ihr Wohnhaus 1911 im Jugendstil und mit für damalige Verhältnisse hohem Wohnkomfort errichten. So bot das Gutshaus schon ab den 1920er-Jahren Badegästen Übernachtung, Speisen und Getränke. „Die kamen ut Dütschland“, sagte die alten Poeler, wenn Besuch vom Festland kam. 1945 bis 1990 verfiel das Haus zusehends. Gerd und Monika Feiler kaufen es im April 1993 zurück. Nach aufwändiger detailgerechter Sanierung wurde es im Mai 1996 als „Ferienresidenz Steinhagen“ wieder­eröffnet. Im Mai 1999 eröffnete auf dem Gelände der neugebaute „Wirtshaus Steinhagen“.

Heute bietet der Gutspark Wangern 13 Ferienwohnungen. Es gibt 1-, 2- und 3-Raum-Wohnungen, alle mit hohem Komfort. Getrennte Wohn- und Schlafräume, eine separate komplett bestückte Küche, ausladende bequeme Möbel und Betten verwöhnen die Gäste. Die kommen zahlreich. Längst aus ganz Deutschland, aber inzwischen selbst aus Österreich, der Schweiz und weiterem Ausland. Nach dem Corona-Einbruch stieg die Gästezahl bis heute stetig, zumal die Preise mit 145 bis 165 Euro pro Ferienwohnung inclusive Frühstück moderat sind. Halbpension kann dazu gebucht werden. Die Speisen und Getränke im angeschlossenen Wirtshaus lassen keine Wünsche offen. Inselgemäß gibt es viele Fischgerichte, dazu traditionelle Mecklenburger (Fleisch-) Speisen und natürlich Vegetarisches (alles exzellent zubereitet). Das Restaurant bietet eine Sommer­terrasse und einen beheizten Wintergarten.

In dem 10.000 Quadratmeter großen Gutspark können sich Besucher und Urlauber bestens erholen. Es gibt einen alten Baumbestand, Liegewiese, Feldschach, Leseecken, gemütliche Sitz­gelegenheiten, plätscherndes Wasser im Gartenteich (im Sommer mit Fontäne), Grillplatz, Schaukeln, diverse Pflanzen. Kostenlose Pkw-Parkplätze, überdachte Radstell­plätze und WLAN sind inklusive.

Was es nicht gibt auf Poel und im Gutspark Wangern: Stress oder Großstadtlärm. Hektik und Anspannung sind hier Fremdwörter. Das fängt sogar schon bei der Anreise an: Poel ist auf den Autobahnen 20 und 14 gut zu erreichen, Bahnfahrer reisen nach Wismar und werden von Familie Feiler auf Wunsch dort abgeholt. Alternativ gibt es stündlichen Busverkehr zwischen Wismar und Poel.

Idylle auf Poel: Pferde vor der Dorfkirche

Fazit: Ist Poel nun wirklich ein Geheimtipp? Die Insel hat sich auch nach acht Jahrhunderten noch viel von ihrem Ursprung bewahrt. „Moderne“ Bettenburgen oder überfüllte Fußgänger­promenaden, vielleicht sogar Einkaufstempel sucht man hier vergebens. Insofern ist Poel besonders. Und ein echtes Original im Vergleich zu den vielen bekannten großen Ost- und Nordsee­inseln.
(Februar 2025)

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